Die Landwirte in MV ernähren auch Dich.
Ein Landwirt ernährt heute 145 Personen
13.02.2020

Wachsen statt weichen, aber wohin?

SVZ

Im Vorfeld ihres am 26. Februar 2020 stattfindenden Blauen Salon, in dem es um die Zukunft der Landwirtschaft gehen wird, hat die Schweriner Volkszeitung am 13. Februar ein Interview mit dem Bauernpräsidenten  Detlef Kurreck, geführt, das wir mit freundlicher Genehmigung der SVZ an dieser Stelle veröffentlichen dürfen.

 

Die Proteste sind laut. Auf beiden Seiten. Nicht nur zahlreiche Verbraucher, sondern auch ganz viele Landwirte
sind mit der jetzigen Situation unzufrieden. Demonstrationen. Protestaktionen. Mittendrin der Bauernverband. Über die Zukunft der Landwirtschaft und die aktuellen Probleme sowie Lösungsvorschläge sprach Katja Müller von der Schweriner Volkszeitung mit MV-Bauernverbandspräsident Detlef Kurreck.

Herr Kurreck, wie ist die Stimmung unter den Landwirten?Aufgebracht. Nervös. Irgendwie von allem ein bisschen. Viele Bauern sind missgestimmt.Sehen sich als Prügelknaben der Nation. Aber wenn sich jeder jetzt hinstellt und meint, es sei alternativlos, kommen wir auch nicht weiter. Der Weg aus diesem Tal wird nicht einfach. Wir müssen uns jedes Stück hart erkämpfen.

Seit Oktober vergangenenJahres gibt es die Organisation Land-schafft-Verbindung. Bauern organisieren Proteste auf den Straßen. Ist das Konkurrenz?
Wir stehen geschlossen hinter den Anliegen der Landwirte. Das, was Land-schafft-Verbindung fordert, ist auch die Maxime des Bauernverbandes. Wir wollen, dass die Politiker nicht über uns, sondern mit uns reden. Wichtig ist es, jetzt keine Untergruppen aufzumachen. Die Gefahr, sich zu verzetteln ist zu groß. Wir
müssen mit einer Stimme unsere Forderungen vorbringen. Der Verband unterstützt die Organisation nicht nur
mit Worten. Alle Aktionen kosten Geld. Auch da hilft der Bauernverband.


Was sind aktuell die größten Probleme der Bauern?
Es laufen aktuell verschiedene Gesetzgebungsverfahren. Ich will nicht sagen, dass vieles verschlafen wurde. Aber wir haben immer noch keinen Durchbruch bei der Ferkelkastration. Nur noch elf Monate und dann ist Schluss mit der betäubungslosen Kastration. Alternativen, die von Landwirten leistbar sind, sind noch nicht ausreichend vorhanden. Und auch das Agrarpaket hat unüberwindbare Hürden. Nicht nur die neue Düngeverordnung wurde an der ländlichen Realität vorbei entworfen. Das größte Problem ist bei alldem das Verbandsklagerecht. Im guten Glauben, etwas für die Tiere zu tun, wurde es eingeführt.Doch nun stehen die Tierschutzverbände dem Fortschritt eher im Weg. Es wird fleißig geklagt. Oftmals unsinnig. Das sind alles Prozesse, die niemand zu Ende gedacht hat. Die Politik folgt dem Populismus.


Was meinen Sie damit?
Politiker erkunden nicht, was die breite Masse will, sondern, wo es am lautesten ist. Es heißt am Ende immer: Das können wir den Leuten nicht erklären. Aber niemand kann genau sagen, wer die Leute sind. Es wäre viel wichtiger, dass man den Fachleuten das entscheidende Wort zubilligt.  Nichts anderes fordern wir als Verband.


Wie viel Zeit geben Sie sich und der Politik für die Lösung?
Wir haben keine Zeit. Es muss jetzt gehandelt werden. Und das aber auch sinnvoll und vor allem langfristig. In Deutschland plant die Politik für vier Jahre, in Brüssel für sieben, aber ein Bauer denkt in Generationen.
Nicht, weil er will, sondern weil er muss. Die letzte Änderung der Düngeverordnung war 2012. Jetzt, acht Jahre später, ist wieder alles hinfällig.

Und warum?
Weil die Bauern heute für Sachen bestraft werden, die vor 20 bis 30 Jahren gängige Praxis waren. Die Politik hat damals die Marschrute vorgegeben. Da ging es darum, die Menschen satt zu machen. Ich frage mich, wer heute als Golf-Fahrer für die Abgasbelastungen, die der Käfer verursacht hat, aufkommt. Das Nitrat-Problem können wir nicht in einem Jahr lösen und schon gar nicht mit einer Unterbedarfsdüngung. Bedarfsgerecht
ist sinnvoll. Das weiß jeder Landwirt. Depressionen, Burn out, Suizid. Begriffe, die auch vor der Landwirtschaft keinen Halt machen.

Wie ist die Situation in MV?
Wir haben in Mecklenburg-Vorpommern eher weniger kleinbäuerliche Strukturen.Weniger Familienbetriebe.
Denen geht es am schlechtesten. Ihnen fehlt die Perspektive. Aber auch hier ist der Druck hoch. Kreditforderungen müssen bedient werden. Mit der Milch ist so gut wie nichts zu verdienen. Die letzten Ernten
waren schlecht. Was uns das neue Jahr bringt, ist unklar. Sicher ist nur, dass der Druck aus der Bevölkerung und Politik wächst. Das kann schnell an die Substanz gehen. Wir stehen als Bauernverband für alle
Betriebsgrößen. Und auch egal, ob sie konventionell oder ökologisch ackern. Alle haben die gleichen Probleme.


Gilt immer noch die alte Regel: Wachsen oder weichen?
Leider ja. Große Betriebe schaffen es zu einem bestimmten Grad, die schlechten Preise in gewisser Form
auszugleichen. Aber auch sie brauchen eine Perspektive. Geld von außen kann nicht die Lösung für Landwirtschaft in Deutschland sein.Die Politik ist gefordert, die Weichen so zu stellen, dass auch kleine Betriebe gut von ihrer Arbeit leben können. Ich würde gern sehen, dass die Betriebe in ihrer Vielfalt wachsen
und sich damit neue Märkte und Absatzfelder erschließen.


Wie schafft es der Verband, so unterschiedliche Richtungen zu vertreten?
Lediglich ideologisch verbrämte Verbraucher machen eine strikte Trennung zwischen Gut und Böse – konventionell und bio. Alle Bauern müssen von ihrer Arbeit leben können. Dafür ist ein fairer Preis nötig. Und den bestimmen der Lebensmitteleinzelhandel und auch der Weltmarkt.


Also ist eine Umstellung auf Bio ein Wagnis?
Seit Aldi und Co. auch auf Bio umgestellt haben, sind die Preise für die Erzeuger im Keller. Manchmal  bekommen Biobauern für ihr Getreide weniger als der konventionell ackernde Landwirt. Wir dürfen mit noch
mehr Bio den Markt nicht strapazieren. Im Lebensmitteleinzelhandel ist die Nachfrage um fünf Prozent gestiegen, der Anbau im Land um zehn. Nischen funktionieren nur so lange wie sie Nischen sind.

Es wird so viel auf den Verbraucher geschimpft. Kann er wirklich den Landwirten im Land helfen? Und wenn ja, wie?
Entweder er akzeptiert, dass sein Essen künftig nur noch aus dem Ausland kommt, oder er leitet Änderungen
auch durch sein Kaufverhalten ein. Aber wer liest schon genau das Kleingedruckte? Die Herkunft muss klar erkennbar sein. Schluss mit dem Etikettenschwindel.

 

Blauer Salon zum Thema Landwirtschaft der Zukunft

Der Druck wächst. Die Vorschriften werden mehr. Die Bauern werden weniger. Wer macht uns künftig satt und wie? In der Veranstaltungsreihe „Blauer Salon“ im medienhaus: nord in Schwerin wird Chefredakteur Michael Seidel gemeinsam mit dem Biologen und Schweriner Bündnisgrünen Arndt Müller, den konventionell
ackernden Landwirten Rainer Mönch und Stefan Wille genannt Niebur sowie Biobauer Dr. Manfred Leberecht Antworten darauf suchen.
Die Podiumsdisskusion zum Thema „Welche Zukunft hat die Landwirtschaft? Wie ackern wir in Zukunft?“ beginnt am 26. Februar um 18 Uhr im Verlagshaus. Sie wollen bei der Veranstaltung im Schweriner medienhaus:nord (Gutenbergstraße 1, Einlass am 26. Februar ab 17 Uhr) dabei sein? Dann melden Sie sich an unter www.svz.de/blauersalon, oder rufen Sie uns montags bis freitags zwischen 8 und 17 Uhr
an unter 0385/ 6378 8308.

Biobauer Dr. Manfred Leberecht Antworten darauf suchen.

Die Podiumsdisskusion zum Thema „Welche Zukunft hat die Landwirtschaft? Wie ackern wir in Zukunft?“ beginnt am 26. Februar um 18 Uhr im Verlagshaus. Sie wollen bei der Veranstaltung im Schweriner medienhaus:nord (Gutenbergstraße 1, Einlass am 26. Februar ab 17 Uhr) dabei sein? Dann melden Sie sich an unter www.svz.de/blauersalon, oder rufen Sie uns montags bis freitags zwischen 8 und 17 Uhr an unter 0385/ 6378 8308. Schnell zu sein lohnt sich, denn die Zahl der Plätze im „Blauen Salon“ ist begrenzt. Die Veranstaltung wird aufgezeichn

– Quelle: https://www.svz.de/27347907 ©2020

Die Proteste sind laut. Auf beiden Seiten. Nicht nur zahlreiche Verbraucher, sondern auch ganz viele Landwirte sind mit der jetzigen Situation unzufrieden. Demonstrationen. Protestaktionen. Mittendrin der Bauernverband. Über die Zukunft der Landwirtschaft und die aktuellen Probleme sowie Lösungsvorschläge sprach Katja Müller mit MV-Bauernverbandspräsident Detlef Kurreck.

Herr Kurreck, wie ist die Stimmung unter den Landwirten?
Aufgebracht. Nervös. Irgendwie von allem ein bisschen. Viele Bauern sind missgestimmt. Sehen sich als Prügelknaben der Nation. Aber wenn sich jeder jetzt hinstellt und meint, es sei alternativlos, kommen wir auch nicht weiter. Der Weg aus diesem Tal wird nicht einfach. Wir müssen uns jedes Stück hart erkämpfen.

Seit Oktober vergangenen Jahres gibt es die Organisation Land-schafft-Verbindung. Bauern organisieren Proteste auf den Straßen. Ist das Konkurrenz?
Wir stehen geschlossen hinter den Anliegen der Landwirte. Das, was Land-schafft-Verbindung fordert, ist auch die Maxime des Bauernverbandes. Wir wollen, dass die Politiker nicht über uns, sondern mit uns reden. Wichtig ist es, jetzt keine Untergruppen aufzumachen. Die Gefahr, sich zu verzetteln ist zu groß. Wir müssen mit einer Stimme unsere Forderungen vorbringen. Der Verband unterstützt die Organisation nicht nur mit Worten. Alle Aktionen kosten Geld. Auch da hilft der Bauernverband.

Was sind aktuell die größten Probleme der Bauern?
Es laufen aktuell verschiedene Gesetzgebungsverfahren. Ich will nicht sagen, dass vieles verschlafen wurde. Aber wir haben immer noch keinen Durchbruch bei der Ferkelkastration. Nur noch elf Monate und dann ist Schluss mit der betäubungslosen Kastration. Alternativen, die von Landwirten leistbar sind, sind noch nicht ausreichend vorhanden. Und auch das Agrarpaket hat unüberwindbare Hürden. Nicht nur die neue Düngeverordnung wurde an der ländlichen Realität vorbei entworfen. Das größte Problem ist bei alldem das Verbandsklagerecht. Im guten Glauben, etwas für die Tiere zu tun, wurde es eingeführt. Doch nun stehen die Tierschutzverbände dem Fortschritt eher im Weg. Es wird fleißig geklagt. Oftmals unsinnig. Das sind alles Prozesse, die niemand zu Ende gedacht hat. Die Politik folgt dem Populismus.

 
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Was meinen Sie damit?
Politiker erkunden nicht, was die breite Masse will, sondern, wo es am lautesten ist. Es heißt am Ende immer: Das können wir den Leuten nicht erklären. Aber niemand kann genau sagen, wer die Leute sind. Es wäre viel wichtiger, dass man den Fachleuten das entscheidende Wort zubilligt. Nichts anderes fordern wir als Verband.

Wie viel Zeit geben Sie sich und der Politik für die Lösung?
Wir haben keine Zeit. Es muss jetzt gehandelt werden. Und das aber auch sinnvoll und vor allem langfristig. In Deutschland plant die Politik für vier Jahre, in Brüssel für sieben, aber ein Bauer denkt in Generationen. Nicht, weil er will, sondern weil er muss. Die letzte Änderung der Düngeverordnung war 2012. Jetzt, acht Jahre später, ist wieder alles hinfällig. Und warum? Weil die Bauern heute für Sachen bestraft werden, die vor 20 bis 30 Jahren gängige Praxis waren. Die Politik hat damals die Marschrute vorgegeben. Da ging es darum, die Menschen satt zu machen. Ich frage mich, wer heute als Golf-Fahrer für die Abgasbelastungen, die der Käfer verursacht hat, aufkommt. Das Nitrat-Problem können wir nicht in einem Jahr lösen und schon gar nicht mit einer Unterbedarfsdüngung. Bedarfsgerecht ist sinnvoll. Das weiß jeder Landwirt.

Depressionen, Burn-out, Suizid. Begriffe, die auch vor der Landwirtschaft keinen Halt machen. Wie ist die Situation in MV?
Wir haben in Mecklenburg-Vorpommern eher weniger kleinbäuerliche Strukturen. Weniger Familienbetriebe. Denen geht es am schlechtesten. Ihnen fehlt die Perspektive. Aber auch hier ist der Druck hoch. Kreditforderungen müssen bedient werden. Mit der Milch ist so gut wie nichts zu verdienen. Die letzten Ernten waren schlecht. Was uns das neue Jahr bringt, ist unklar. Sicher ist nur, dass der Druck aus der Bevölkerung und Politik wächst. Das kann schnell an die Substanz gehen. Wir stehen als Bauernverband für alle Betriebsgrößen. Und auch egal, ob sie konventionell oder ökologisch ackern. Alle haben die gleichen Probleme.

Gilt immer noch die alte Regel: Wachsen oder weichen?
Leider ja. Große Betriebe schaffen es zu einem bestimmten Grad, die schlechten Preise in gewisser Form auszugleichen. Aber auch sie brauchen eine Perspektive. Geld von außen kann nicht die Lösung für Landwirtschaft in Deutschland sein. Die Politik ist gefordert, die Weichen so zu stellen, dass auch kleine Betriebe gut von ihrer Arbeit leben können. Ich würde gern sehen, dass die Betriebe in ihrer Vielfalt wachsen und sich damit neue Märkte und Absatzfelder erschließen.

Wie schafft es der Verband, so unterschiedliche Richtungen zu vertreten?
Lediglich ideologisch verbrämte Verbraucher machen eine strikte Trennung zwischen Gut und Böse – konventionell und bio. Alle Bauern müssen von ihrer Arbeit leben können. Dafür ist ein fairer Preis nötig. Und den bestimmen der Lebensmitteleinzelhandel und auch der Weltmarkt.

Also ist eine Umstellung auf Bio ein Wagnis?
Seit Aldi und Co. auch auf Bio umgestellt haben, sind die Preise für die Erzeuger im Keller. Manchmal bekommen Biobauern für ihr Getreide weniger als der konventionell ackernde Landwirt. Wir dürfen mit noch mehr Bio den Markt nicht strapazieren. Im Lebensmitteleinzelhandel ist die Nachfrage um fünf Prozent gestiegen, der Anbau im Land um zehn. Nischen funktionieren nur so lange wie sie Nischen sind.

Es wird so viel auf den Verbraucher geschimpft. Kann er wirklich den Landwirten im Land helfen? Und wenn ja, wie?
Entweder er akzeptiert, dass sein Essen künftig nur noch aus dem Ausland kommt, oder er leitet Änderungen auch durch sein Kaufverhalten ein. Aber wer liest schon genau das Kleingedruckte? Die Herkunft muss klar erkennbar sein. Schluss mit dem Etikettenschwindel. Regionalität statt Bio.

„Blauer Salon“ zum Thema Landwirtschaft der Zukunft

Der Druck wächst. Die Vorschriften werden mehr. Die Bauern werden weniger. Wer macht uns künftig satt und wie? In der Veranstaltungsreihe „Blauer Salon“ im medienhaus:nord in Schwerin wird Chefredakteur Michael Seidel gemeinsam mit dem Biologen und Schweriner Bündnisgrünen Arndt Müller, den konventionell ackernden Landwirten Rainer Mönch und Stefan Wille genannt Niebur sowie Biobauer Dr. Manfred Leberecht Antworten darauf suchen.

Die Podiumsdisskusion zum Thema „Welche Zukunft hat die Landwirtschaft? Wie ackern wir in Zukunft?“ beginnt am 26. Februar um 18 Uhr im Verlagshaus. Sie wollen bei der Veranstaltung im Schweriner medienhaus:nord (Gutenbergstraße 1, Einlass am 26. Februar ab 17 Uhr) dabei sein? Dann melden Sie sich an unter www.svz.de/blauersalon, oder rufen Sie uns montags bis freitags zwischen 8 und 17 Uhr an unter 0385/ 6378 8308. Schnell zu sein lohnt sich, denn die Zahl der Plätze im „Blauen Salon“ ist begrenzt. Die Veranstaltung wird aufgezeichnet.

– Quelle: https://www.svz.de/27347907 ©2020