Wahlprüfsteine der Jagdrechtsinhaber Mecklenburg-Vorpommern zur Landtagswahl 2026

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Der im Bauernverband Mecklenburg-Vorpommern organisierte Arbeitskreis der Jagdgenossenschaften und Eigenjagden (AJE) vertritt eine Vielzahl von Jagdrechtsinhabern in Mecklenburg-Vorpommern, die in Hinblick auf die anstehende Landtagswahl am 20. September Erwartungen in Form von Fragen an die Politik formuliert haben. Wir haben den Parteien Gelegenheit geben, ihren Standpunkt und Umsetzungsvorschläge zu den einzelnen Themen darzulegen. Die Antworten finden Sie hier zum Download.

Wahlprüfsteine der Jagdrechtsinhaber Mecklenburg-Vorpommern (Jagdgenossenschaften und Eigenjagden) zur Landtagswahl 2026

1. Jagdrecht, Gesetzgebung und Verwaltung

Das Jagdrecht ist ein wesentlicher Bestandteil des Eigentumsrechts und bildet die Grundlage für nachhaltige Jagdausübung. Jagdrechtsinhaber tragen Verantwortung für Hege, Wildtiermanagement sowie den Erhalt gesunder Wildbestände und ausgewogener Kulturlandschaften. Gesetzliche Regelungen müssen praxistauglich sein, Planungssicherheit gewährleisten und eine flächendeckende, verantwortungsvolle Bejagung sicherstellen.

  • Wie stehen Sie zum Grundsatz der flächendeckenden Bejagung? Halten Sie ihn weiterhin für unverzichtbar?
  • Befürworten Sie die derzeitige Möglichkeit, Reviere unter die Mindestgrößen zu verkleinern (z. B. §§ 3 Abs. 3, 11 Abs. 7 LJagdG)? Welche Auswirkungen sehen Sie auf die jagdliche Praxis und den Wildbestand? Sehen Sie eine Gefährdung des Grundsatzes der flächendeckenden Bejagung, wenn der Gesetzgeber zulässt, dass Reviergrößen individuell unter die bisherigen Mindestgrößen verkleinert werden können? Halten Sie das Reviersystem in seiner Funktion durch zu kleine Jagdbezirksgrößen gefährdet?
  • Werden Sie sich für eine landesrechtliche Regelung einsetzen, die verhindert, dass durch Flächenabtrennungen neue gemeinschaftliche Jagdbezirke mit eigener Verwaltung entstehen, und stattdessen ermöglicht, dass ausreichend große Restflächen (mindestens 150 Hektar) bei der bestehenden Jagdgenossenschaft verbleiben und separat verpachtet werden können?
  • Das Beteiligungsrecht der Jagdrechtsinhaber an den Abschussplänen wurde durch die Novellierung des Landesjagdgesetzes geschwächt. Während vor dem 1.4.2024 ein fehlendes Einvernehmen stets eine Abschlussplanfestsetzung durch die zuständige Jagdbehörde zur Folge hatte, bleibt nunmehr eine fehlende Einbeziehung folgenlos. Welche Regelungen zur Transparenz und Einbindung der Jagdrechtsinhaber in Abschusspläne unterstützen Sie?
  • Welche (weiteren) Änderungen am Landesjagdgesetz strebt Ihre Partei an, und wie werden dabei die Rechte der Jagdrechtsinhaber gesichert?
 

2. Verwaltungsaufwand in Jagdgenossenschaften und Bürokratieabbau

Politische Entscheidungen sollten verlässliche und praxistaugliche Rahmenbedingungen schaffen, die Planungssicherheit bieten, Konflikte entschärfen und gleichzeitig Bürokratie auf ein Minimum beschränken. Jagdgenossenschaften sind Körperschaften des öffentlichen Rechts. Im Unterschied zu anderen Körperschaften werden sie jedoch ausschließlich ehrenamtlich geführt. Dennoch werden landesrechtliche Vorschriften, die für Verwaltung oder Körperschaften gelten, häufig auch auf Jagdgenossenschaften angewendet – ohne Differenzierung ihrer besonderen Rahmenbedingungen. Dies führt in der Praxis zu erheblichem bürokratischem Aufwand und erschwert die Arbeit. Gesetzgebung und Verwaltung sollten die besonderen Strukturen ehrenamtlicher Organisationen stärker berücksichtigen und praktikable Lösungen ermöglichen.

  • Wie wollen Sie sicherstellen, dass landesrechtliche Vorschriften die besonderen Strukturen ehrenamtlich geführter Jagdgenossenschaften berücksichtigen?
  • Wie wollen Sie die Umsetzung der Datenschutzgrundverordnung für Jagdgenossenschaften praktikabel gestalten? Setzen Sie sich dafür ein, dass Jagdvorstände von der ihnen als Körperschaft des öffentlichen Rechts obliegenden Pflicht zur Bestellung von Datenschutzbeauftragten befreit werden?
  • Im Vereinsrecht (§ 31a BGB) bestehen Haftungsbegrenzungen für ehrenamtlich tätige Vorstände. Unterstützen Sie eine vergleichbare gesetzliche Haftungsbegrenzung für Vorstände von Jagdgenossenschaften?
 

3. Großraubtiere, Problemwild und Seuchenschutz

Ansteigende Bestände von Wolf, Biber oder Kormoran sowie Tierseuchen wie ASP stellen Jagdrechtsinhaber und Landnutzer vor große Herausforderungen. Politik muss auf wissenschaftlicher Basis handeln und gleichzeitig praxistaugliche Eingriffsmöglichkeiten sichern.

  • Wie wollen Sie sicherstellen, dass der künftige Wolfs-Managementplan in Mecklenburg-Vorpommern schnelle Entnahmen nach Nutztierrissen, eine praktikable Bejagung und ein verlässliches Monitoring gewährleistet, ohne den günstigen Erhaltungszustand zu gefährden? Wie wollen Sie beim Umgang mit dem Wolf regionale Interessen, Weidetierhaltung und Sicherheit der Bevölkerung gleichermaßen berücksichtigen? Welche Maßnahmen würden Sie ergreifen, um eine angemessene Bewirtschaftung des Wolfes in Mecklenburg-Vorpommern sicherzustellen, ohne den günstigen Erhaltungszustand zu gefährden?
  • Welche Maßnahmen planen Sie zur Eindämmung von Schwarzwildbeständen und zur Unterstützung der ASP-Prävention?
  • Wie wollen Sie Konflikte mit Arten wie Biber, Kormoran, Nutria oder Wildgänse pragmatisch lösen, wenn erhebliche Schäden entstehen? Wie schätzen Sie die Bestandsentwicklung und den Erhaltungszustand dieser Arten ein?
  • Sollte bei einer ausreichenden Population eine Unterstellung der Art ins Jagdrecht erfolgen und frühzeitig durch ein aktives Bestandsmanagement reguliert werden? Auf welche Arten trifft dies Ihres Erachtens bereits jetzt zu?
  • Halten Sie die Biberverordnung des Landes für praxistauglich? Welchen Änderungsbedarf sehen Sie?
 

4. Lebensraum, Wildtierkorridore und Naturschutz

Jagdrechtsinhaber leisten einen wichtigen Beitrag zur Pflege und Entwicklung vielfältiger Kulturlandschaften. Politische Entscheidungen zum Biotopverbund, zu Schutzgebieten oder Wiedervernässungsprojekten müssen jagdliche Belange berücksichtigen und praxistauglich gestalten.

  • Wie wollen Sie sicherstellen, dass Wildtierkorridore, Biotopverbünde und Schutzgebiete gemeinsam mit Jagdrechtsinhabern geplant werden?
  • Wie stellen Sie sicher, dass Wiedervernässungs- und Moorschutzprojekte jagdliche Nutzbarkeit und Wildtiermanagement berücksichtigen?
  • Welche Maßnahmen planen Sie, um Konflikte zwischen Naturschutzauflagen und jagdlicher Praxis zu reduzieren?
  • Setzen Sie sich dafür ein, dass Landschaftszerschneidungen durch Straßenbau, Bebauung und Versiegelung von Flächen reduziert werden, um den Erhalt und die Wiederherstellung von Lebensräumen zu sichern?
  • Unterstützen Sie die Durchführung nachhaltiger Folgenabschätzungen für Projekte wie Photovoltaik-Freiflächenanlagen oder Infrastrukturmaßnahmen, um die ökologischen Auswirkungen auf Natur und Lebensräume zu prüfen?
  • Befürworten Sie, dass bei solchen Projekten die Auswirkungen auf betroffene Jagdgenossenschaften geprüft werden und finanzielle Ausgleiche für Einschränkungen oder Nutzungseinschnitte vorgesehen werden?
 

5. Jagdausbildung, Nachwuchsgewinnung und gesellschaftliche Akzeptanz

Jagd braucht qualifizierte Jägerinnen und Jäger und eine breite gesellschaftliche Akzeptanz. Jagdausbildung, Öffentlichkeitsarbeit und Kooperation mit Schulen, Medien und Verbänden müssen gestärkt werden.

  • Wie wollen Sie die Jagdausbildung, Prüfungsverfahren und Fortbildungsmöglichkeiten modernisieren und stärken?
  • Welche Maßnahmen planen Sie zur Nachwuchsgewinnung im jagdlichen Bereich?
  • Wie soll die gesellschaftliche Wertschätzung für Jagd und Wildtiermanagement gefördert werden?
  • Unterstützen Sie Programme zur Aufklärung über Wildtierbiologie, Wildbretvermarktung und Naturnutzung?