Schweinehalter in Mecklenburg-Vorpommern fordern verlässlichen Zugang zu Schlachtkapazitäten

Schweine
Die Schweinehalterinnen und Schweinehalter in Mecklenburg-Vorpommern benötigen nach Schließung des Schlachthofes in Perleberg dringend einen verlässlichen und planbaren Zugang zu Schlachtkapazitäten. Bisher hat die Tönnies-Gruppe den in Aussicht gestellten zusätzlichen Schlachttag im Schlachthof Kellinghusen und den Einsatz einer zusätzlichen Schicht am Standort Weißenfels nicht umgesetzt. Das hat zur Folge, dass sich in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern inzwischen ein massiver Schweinestau aufgebaut hat, der sich nicht reduzieren lässt. Die Folge sind deutlich steigende Schlachtgewichte. Tiere mit einem Schlachtgewicht von über 120 Kilogramm werden wieder zum Sauenpreis abgerechnet – eine wirtschaftlich nicht hinnehmbare Situation für die Betriebe. Darüber hinaus führt der Rückstau zwangsläufig zu tierschutzrechtlichen Problemen: Die bestehenden Stallsysteme sind nicht für derart hohe Lebendgewichte ausgelegt. Schweinehalter geraten dadurch in eine Lage, die sie weder verursacht haben noch aus eigener Kraft lösen können.
„Unsere Betriebe stehen mit dem Rücken zur Wand. Der Schweinestau ist strukturell bedingt und nicht Ergebnis unternehmerischer Fehlentscheidungen. Wenn Tiere nicht rechtzeitig abgenommen werden, geraten Landwirte unverschuldet in Konflikt mit Tierschutzvorgaben und wirtschaftlicher Tragfähigkeit“, erklärt Bauernpräsident Karsten Trunk.
Der Schweinestau ist damit kein Marktproblem, sondern Ausdruck fehlender Schlacht- und Kontrollkapazitäten. Sollten fehlende Veterinärinnen und Veterinäre am Schlachtstandort Weißenfels der Grund für die ausbleibende zweite Schicht sein, liegt die Verantwortung nicht bei den landwirtschaftlichen Betrieben, sondern bei den zuständigen Behörden. In diesem Fall müssen gegebenenfalls zeitweise Amtsveterinäre eingesetzt werden, um den Schlachtbetrieb abzusichern. Nach dem Bauernverband vorliegenden Informationen sind in Weißenfels nicht fehlende Genehmigungen für ein Zweischichtsystem das zentrale Hindernis, sondern der Mangel an Überwachungs- und Kontrollpersonal. Infolge der Corona-Pandemie und rückläufiger Schlachtzahlen wurde das Personal dort von rund 160 auf etwa 80 Personen reduziert – mit unmittelbaren Folgen für die heutige Leistungsfähigkeit des Standortes. Das Land Sachsen-Anhalt hatte zuletzt im November 2025 angekündigt, entsprechend ausgebildetes Personal zu akquirieren und zusätzliche Schlachtungen, unter anderem an Samstagen, zu ermöglichen. Eine Lösung zum Jahresende 2025 wurde in Aussicht gestellt. Für die Schweinehalter in Mecklenburg-Vorpommern ist diese Ankündigung bislang ohne Wirkung geblieben: Der Schweinestau besteht fort, die Schlachtgewichte steigen weiter.
„Es geht ausdrücklich nicht um das unternehmerische Risiko bei niedrigen Schlachtpreisen“, betont Trunk. „Es geht um einen strukturellen Schweinestau, den die Landwirte nicht verursacht haben und der ihnen nun sowohl tierschutzrechtlich als auch wirtschaftlich zum Verhängnis wird.“
Vor diesem Hintergrund fordern die Schweinehalter ein entschlossenes politisches Eingreifen. In der Verantwortung sehen sie insbesondere die Agrarministerinnen und Agrarminister der Länder Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, kurzfristig wirksame Maßnahmen zu ergreifen, um die Engpässe bei Schlacht- sowie Kontrollkapazitäten zu beseitigen und den Rückstau an den Betrieben aufzulösen.
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