Landwirtschaftsbetrieb Jochen Mewes ist Ausbildungsbetrieb des Jahres 2026
35 Jahre Engagement für landwirtschaftlichen Nachwuchs
Der Landwirtschaftsbetrieb Jochen Mewes aus Retzow bei Rechlin (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) ist Ausbildungsbetrieb des Jahres 2026. Der Bauernverband MV und das Land Mecklenburg-Vorpommern haben den Familienbetrieb für sein langjähriges Engagement bei der Ausbildung landwirtschaftlicher Fachkräfte im Rahmen der Eröffnung der 35. MeLa in Mühlengeez ausgezeichnet. „Wer über Jahrzehnte junge Menschen ausbildet, übernimmt Verantwortung weit über den eigenen Betrieb hinaus“, würdigte Karsten Trunk, Präsident des Bauernverbandes Mecklenburg-Vorpommern, den Einsatz.
„Jochen und Christiane Mewes sowie Matthias Kampen vermitteln jungen Menschen Fachwissen, geben ihnen Verantwortung und zeigen ihnen, was Landwirtschaft als Beruf ausmacht. Damit sichern sie nicht nur Fachkräfte – sie stärken die Landwirtschaft in unserem Land.“
Seit rund 35 Jahren bildet der Landwirtschaftsbetrieb Jochen Mewes kontinuierlich angehende Landwirte aus. In der Regel beginnen jährlich ein bis zwei junge Menschen ihre Ausbildung im Betrieb. Seit 1990 wurden 26 Auszubildende erfolgreich bis zur Abschlussprüfung begleitet. Aktuell gehören drei Auszubildende zum Team, im kommenden Jahr werden drei neue hinzukommen. Für Jochen Mewes ist die Ausbildung eine Investition in die Zukunft der gesamten Branche. Bewusst bildet der Betrieb über den eigenen Bedarf hinaus aus. Entscheidend ist für Mewes dabei nicht allein das Schulzeugnis. Viele der späteren Auszubildenden lernen den Betrieb bereits während eines Schülerpraktikums oder im Rahmen des Praxislerntags kennen. Dabei zeige sich schnell, wer wirklich Interesse an der Landwirtschaft mitbringt.
„Wenn jemand Lust an dem hat, was er macht, kann das vieles ausgleichen“, sagt Mewes.
Gute Noten seien wichtig, Enthusiasmus und eigener Antrieb aber mindestens ebenso entscheidend.
Ausbildung bedeutet für Jochen Mewes, die jungen Menschen vom ersten Tag an in den Betrieb einzubeziehen. Der Arbeitstag beginnt gemeinsam mit der Einsatzbesprechung. Die Auszubildenden lernen Produktionsabläufe ebenso kennen wie den fachgerechten Umgang mit Maschinen und Geräten. Zugleich vermittelt das Team wirtschaftliche Zusammenhänge: von der Beschaffung der Betriebsmittel über die Kosten der Produktion bis zur Vermarktung der erzeugten Produkte. Die jungen Landwirte lernen, selbst hinzusehen und Verantwortung zu übernehmen. „Es geht darum, Arbeit zu erkennen, statt nur einen Auftrag abzuarbeiten“, so Jochen Mewes, „und zum Beispiel beim Gang durch den Stall einen Blick dafür zu entwickeln, wie es den Bullen geht“, so Jochen Mewes. Eine besondere Stärke seines Betriebes sieht Mewes im Miteinander verschiedener Generationen. Im Team arbeiten sehr erfahrene Beschäftigte gemeinsam mit jungen Mitarbeitenden. „Diese Mischung macht's“, sagt der über 70-jährige Betriebsleiter. Die Jungen könnten von der „Routine und Bedachtheit“ der Älteren lernen, während die Jüngeren neuen Enthusiasmus und neue Sichtweisen in den Betrieb einbrächten.
Diese umfassende Ausbildung hat für viele ehemalige Auszubildende den Grundstein für ihren weiteren beruflichen Weg gelegt. Mehrere absolvierten anschließend die Fachschule für Agrarwirtschaft, qualifizierten sich zum Agrarbetriebswirt oder Landwirtschaftsmeister weiter oder erwarben einen agrarwissenschaftlichen Hochschulabschluss. Kürzlich hat ein weiterer Auszubildender mit Empfehlung für den Berufswettbewerb seine Lehre erfolgreich beendet und setzt seinen Bildungsweg an der Hochschule Neubrandenburg fort. Heute leiten ehemalige Auszubildende des Betriebes landwirtschaftliche Betriebe, engagieren sich im Präsidium des Bauernverbandes MV oder sind international für Landtechnikunternehmen tätig.
Dabei ist Ausbildung für Mewes keine Einbahnstraße. Auch der Betrieb profitiert von den jungen Menschen und ihren Erfahrungen aus der Berufsschule und anderen Betrieben. Gerade der Austausch helfe, Gewohntes immer wieder zu hinterfragen. „Das verhindert Betriebsblindheit“, erklärt Jochen Mewes. Auch junge Frauen haben ihren Platz im Betrieb längst selbstverständlich gefunden. Vier Mädchen haben bisher im Landwirtschaftsbetrieb gelernt. „Die stehen den Jungs in der Regel in nichts nach“, sagt Mewes – und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu, bei der Unkrauterkennung seien sie häufig sogar besser.
Verantwortung übernehmen die Auszubildenden auch außerhalb des täglichen Betriebsablaufs. Beim „Tag des offenen Hofes“, den der Landwirtschaftsbetrieb Jochen Mewes seit 2012 sechsmal im Müritzkreis ausgerichtet hat, wirken sie bei der Organisation, Technikvorführungen, Stallführungen sowie Hof- und Feldrundfahrten mit. Grundschulklassen führen sie sogar eigenverantwortlich über den Betrieb. Besuche der MeLa, der Agritechnica und von Fachveranstaltungen wie dem Leistungspflügen erweitern den Blick über den eigenen Ausbildungsbetrieb hinaus.
„Gute Ausbildung endet nicht mit dem Erlernen von Arbeitsabläufen“, betont Bauernpräsident Karsten Trunk. „Sie muss junge Menschen in die Lage versetzen, Verantwortung zu übernehmen, Entscheidungen zu treffen und ihren eigenen Weg zu gehen. Der Landwirtschaftsbetrieb Jochen Mewes zeigt seit Jahrzehnten, wie das gelingt. Von diesem Engagement profitieren die Auszubildenden, die Betriebe und der gesamte Berufsstand.“
Landwirtschaftsbetrieb Jochen Mewes
Der Landwirtschaftsbetrieb Jochen Mewes in Retzow bei Rechlin bewirtschaftet rund 1.300 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche. Angebaut werden unter anderem Winterweizen, Winterroggen und Wintergerste, Winterraps und Silomais sowie Lupinen, Sonnenblumen, Runkeln und Kartoffeln. Der Betrieb beschäftigt 14 Mitarbeiter und drei Auszubildende. Ein Schwerpunkt ist die Rindermast mit rund 550 Mastbullen. Die Tiere werden auf Stroh gehalten und regional vermarktet. Der Betrieb nimmt an der Haltungsform 3 teil. Seit 2025 ist der Landwirtschaftsbetrieb offizielle Prüfstation für Fleischrindrassen in Mecklenburg-Vorpommern und führt die stationäre Fleischleistungsprüfung potenzieller Zuchtbullen durch. Zudem gehört der Betrieb zu den Gründungsmitgliedern der 1999 gegründeten Erzeugergemeinschaft „Qualitätsgetreide und Raps Müritzring“ w. V.Ausbildungsbetrieb des Jahres
Die Ehrung für vorbildliches Engagement in der Ausbildung wird seit 2008 jährlich auf der MeLa für hervorragende Leistungen von Landwirtschaftsbetrieben in der Ausbildung verliehen. Die Auswahl des Betriebes erfolgt in Abstimmung zwischen dem Bauernverband MV und der zuständigen Stelle für Berufsausbildung. Zu den Preisträgern gehörten in den vergangenen Jahren die folgenden Unternehmen:
- Agrar GmbH Diestelow (2025)
- Landwirtschaftsbetrieb Griepentrog KG in Steinhagen (2024)
- Agrargenossenschaft Hellbach Neubukow e.G. (2023)
- Agrargesellschaft am Landgraben Zinzow mbH (2022)
- „Böhm-Nordkartoffel“ Agrarproduktion GmbH & Co. OHG (BNA) (2021)
- „Ivenacker Eichen“ Produktions- Handels- und Dienstleistungsgesellschaft (2020)
- Agrarproduktionsgesellschaft (Agp) Lübesse (2019)
- GbR Schildt Güstrow (2018)
- APV Samtens auf Rügen (2017)
- Gut Wamckow GmbH & Co. KG Parchim (2016)
- Agrar GmbH & Co. KG Sandhagen (2015)
- Agrofarm e.G. Lüssow Bützow (2014)
- Raminer Agrar GmbH (2013)
- Agrar GmbH Vipperow (2012)
- Burower Gutsmilch GmbH (2011)
- Landwirtschaftsbetrieb Grevesmühlen e.G. (2010)
- Agrargenossenschaft Luisenhof e.G. (2009)
- Agrargenossenschaft Bartelshagen I (2008)




