Landwirtschaft braucht Zukunft – und einen ehrlichen Dialog

Wie gelingt der Spagat zwischen Ernährungssicherheit, Klimaschutz und wirtschaftlicher Tragfähigkeit? Welche Rahmenbedingungen benötigen landwirtschaftliche Betriebe, um auch in Zukunft regional hochwertige Lebensmittel produzieren zu können? Antworten auf diese Fragen standen im Mittelpunkt des „Dialogs am Hof“, der am 26. Juni auf der Trantower Agrar GmbH stattfand.

Eingeladen hatten das Ministerium für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt Mecklenburg-Vorpommern gemeinsam mit dem Bauernverband Mecklenburg-Vorpommern e. V. sowie dem Industrieverband Agrar (IVA). Vertreter aus Politik, Landwirtschaft und Agrarwirtschaft nutzten die Veranstaltung, um offen über die Herausforderungen, aber auch über die Chancen einer modernen Landwirtschaft zu diskutieren.

Auf dem Podium diskutierten Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus, Bauernverbandspräsident Karsten Trunk, Frank Gemmer, Hauptgeschäftsführer des Industrieverbandes Agrar (IVA), Thomas Beil von der Greifswalder Agrarinitiative sowie Gastgeber Carsten Stegelmann von der Trantower Agrar GmbH. Schnell wurde deutlich: Die Landwirtschaft befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel und steht dabei vor einem Spannungsfeld aus gesellschaftlichen Erwartungen, politischen Vorgaben und wirtschaftlichen Realitäten.

Die Betriebe sehen sich mit stetig steigenden Betriebsmittelkosten, schwankenden Agrarmärkten, sinkenden Erzeugerpreisen und einer zunehmenden Regulierungsdichte konfrontiert. Gleichzeitig fehlt vielen Landwirten die notwendige Planungssicherheit – insbesondere mit Blick auf die zukünftige Ausgestaltung der europäischen Agrarpolitik.

Ein besonders eindrucksvolles Beispiel liefert der Pflanzenschutz. In den vergangenen sechs Jahren sind europaweit mehr als 80 Wirkstoffe vom Markt verschwunden. Dem gegenüber steht lediglich ein neu zugelassener Wirkstoff. Rund 200 weitere Wirkstoffe befinden sich derzeit in der Wiedergenehmigung, etwa 100 davon warten bereits seit mehr als fünf Jahren auf eine Entscheidung. Zusätzlich stehen rund 70 neue Wirkstoffe in den Zulassungsverfahren. Für die landwirtschaftliche Praxis bedeutet das immer weniger Handlungsspielraum, steigende Produktionsrisiken und eine wachsende Unsicherheit bei der Sicherung stabiler Erträge.

Dass die Landwirtschaft diesen Herausforderungen nicht tatenlos gegenübersteht, machte Carsten Stegelmann eindrucksvoll deutlich. Moderne Landwirtschaft ist heute hochinnovativ. Digitale Ackerschlagkarteien, GPS-gesteuerte Maschinen, sensorgestützte Ausbringtechnik, Künstliche Intelligenz und Machine Learning sind längst keine Zukunftsvisionen mehr, sondern fester Bestandteil der täglichen Arbeit auf vielen Betrieben. Sie ermöglichen einen präziseren Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln, helfen Ressourcen zu schonen und leisten einen wichtigen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit.

Dabei wurde ebenfalls klar: Die Ziele des Green Deals und der Farm-to-Fork-Strategie begleiten die Landwirtschaft weiterhin. Klimaschutz, Biodiversität, Ressourceneffizienz und umfangreiche Dokumentationspflichten bleiben wichtige Bestandteile der politischen Zielsetzungen. Um diese erfolgreich umzusetzen, benötigen die Betriebe jedoch praktikable Lösungen, wissenschaftlich fundierte Entscheidungen und verlässliche politische Rahmenbedingungen.

Die Diskussion machte deutlich, dass Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit untrennbar miteinander verbunden sind. Wer regionale Lebensmittelversorgung, Klima- und Umweltschutz sowie lebendige ländliche Räume sichern möchte, braucht wirtschaftlich stabile landwirtschaftliche Betriebe. Innovationen können dabei einen wichtigen Beitrag leisten – sie ersetzen jedoch keine verlässlichen politischen Rahmenbedingungen.

Im Anschluss an die Podiumsdiskussion erhielten die Teilnehmer bei einer Technikvorführung spannende Einblicke in moderne landwirtschaftliche Verfahren. Beim gemeinsamen Imbiss wurde der fachliche Austausch fortgesetzt und zahlreiche Gespräche zwischen Landwirten, Politik und Agrarwirtschaft vertieft.

Der „Dialog am Hof“ hat eindrucksvoll gezeigt, dass die Zukunft der Landwirtschaft nur im gemeinsamen Austausch gestaltet werden kann. Die Herausforderungen sind groß – ebenso groß sind aber auch die Innovationskraft und die Bereitschaft der Betriebe, Verantwortung für Ernährungssicherheit, Umwelt und die Entwicklung des ländlichen Raumes zu übernehmen. Damit dies gelingt, braucht es Rahmenbedingungen, die Innovation ermöglichen, Wettbewerbsfähigkeit sichern und den Betrieben langfristige Planungssicherheit geben.