Kritik an der Causa Julia Ruhs

Julia Ruhs Kommentar

Dr. Heike Müller, Vorsitzende des NDR-Rundfunkrates MV und langjährige Vizepräsidentin des Bauernverbandes MV, übt harte Kritik am Umgang des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks mit dem Fall Julia Ruhs.

Die Moderatorin des Magazins „Klar!“ wird nur noch die „Klar!“-Ausgaben im Bayrischen Rundfunk weiterproduzieren, nicht mehr im NDR, nachdem 250 NDR-Mitarbeitende die Sendung in einem offenen Brief kritisierten. Zuvor erhielt die Ausgabe „Der Frust der Bauern“ den Kommunikationspreis des Verbandes Deutscher Agrarjournalisten.

„Und so hat man den Eindruck, hier soll jemand weggelobt werden, obwohl man ihn lieber totgeschwiegen hätte. Das kenne ich noch aus dem Land, das vor 35 Jahren unterging“, so Dr. Heike Müller in ihrem Kommentar fürs Bauernblatt Schleswig-Holstein.

Sie kritisiert die zu späte und unvollständige Einbeziehung der Gremien und mahnt Antworten auf zu viele offen gebliebene Fragen an. „Ein kommunikatives Desaster ohnegleichen“, so die Einschätzung.

Bauernopfer

Ein Kommentar zur Causa Julia Ruhs
von Dr. Heike Müller

Wer als ostdeutsche Bäuerin in der letzten Woche die Pressemitteilungen des NDR  zu seiner eigenen Sendung „Klar! las, glaubte seinen Augen nicht zu trauen. Von wertvollen Erkenntnissen war die Rede, von der Freude, das Format weiterzuentwickeln, von der Raumöffnung für kontroverse Debatten. Ich war erfreut, dass die 2. Sendung „Der Frust der Bauern“ mit dem Kommunikationspreis des Verbandes Deutscher Agrarjournalisten ausgezeichnet worden ist. Die Jury sah in der Sendung „einen Weg, wieder in den Dialog zwischen verhärteten Fronten zu finden.“

Lob über Lob – und dann, am Ende der Pressemitteilung des NDR, die Aussage, dass Julia Ruhs die BR-Ausgaben des Formates weiterproduzieren soll. Eine Begründung für das Canceln im NDR bleibt der Sender schuldig. Und so hat man den Eindruck, hier soll jemand weggelobt werden, obwohl man ihn lieber totgeschwiegen hätte. Das kenne ich noch aus dem Land, das vor 35 Jahren unterging.

Nicht geahnt hat der Sender, welche Debatten damit ausgelöst wurden. In den 8 Jahren, die ich dem Rundfunkrat angehöre, ist der Vorgang beispiellos. Beispiellos ist der Versuch, zu retten, was zu retten ist, bis in Tagesschau, Tagesthemen, NDRinfo hinein. Einer Sendung, die im linearen Fernsehen auf einem 22-Uhr-Sendeplatz eher ein Nischendasein führte, kommt plötzlich eine Bedeutung zu, die offenbart, was ein großer Teil der Bevölkerung denkt. Wer den rosafarbenen Elefanten im Raum benennt, wird abgestraft. Zuerst von den eigenen Kollegen, wie man dem offenen Brief von 250 NDR-Mitarbeitern wohl entnehmen durfte, der dann allerdings nicht so offen war, dass man ihn als Mitglied des Rundfunkrates auch zu Gesicht bekam. Dann von der Führungsspitze des Hauses, die sich – aber das entschuldigt die Situation nicht – gerade in einer Übergangsphase von Intendant zu Intendant befindet.

Versäumt hat die Hausspitze auch, rechtzeitig die Gremien einzubeziehen. Zwar gab es im Programmausschuss am 16.September eine Befassung mit dem Thema, jedoch nicht öffentlich und nur mit einem Teil des Rundfunkrates. Und so sah wohl manches Rundfunkratsmitglied wie ich selber auch bei der Staffelstabübergabe von Intendant zu Intendant am 17. September mit geballter Faust in der Tasche der Selbstbeweihräucherung zu und fragte sich, worüber geredet wird, wenn dort die Meinungsfreiheit immer wieder betont wurde.

Am 26. September kommt die Debatte dann endlich auch in Gänze im Rundfunkrat an. Es wird viele Fragen geben. Und hoffentlich auch deutliche Worte. Aber was sicher nicht zu erwarten ist: eine Rücknahme der Entscheidung. Sehr schnell wurde am 18.September die Nachfolgerin von Julia Ruhs bekanntgegeben, so dass es am Ende zwei Bauernopfer im NDR gibt: Julia Ruhs und leider auch den Redakteur Thomas Berbner, der die Sendung zukünftig nicht mehr produzieren wird.

Für den neuen Intendanten, der mit vielen Vorschusslorbeeren bedacht wurde, wird der Start damit von einem kommunikativen Desaster ohnegleichen überschattet.

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Bettina Schipke Pressesprecherin
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Stefanie Lanin Pressesprecherin 0395 4309228