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Ein Landwirt ernährt heute 145 Personen
09.09.2022

Ernährungssicherung braucht klare politische Leitplanken

@ Bettina Schipke

Landesbauerntag auf der MeLa

„Wir sind als Landwirte in der Lage, die volle Versorgung der Bürger in diesem Lande zu garantieren. Aber wir brauchen dazu Leitplanken, Begleitung und den politischen Willen, uns unsere Arbeit machen zu lassen“, verdeutlichte Detlef Kurreck, Präsident des Bauernverbandes Mecklenburg-Vorpommern, auf dem Landesbauerntag bei der MeLa in Mühlengeez vor den Folgen jetziger politischer Weichenstellungen.

Unter dem Titel „Ernährungssicherung – um welchen Preis“ hatte der Bauernverband MV zur Diskussion ins Festzelt der 31. Fachausstellung für Landwirtschaft und Ernährung, Fischwirtschaft, Forst, Jagd und Gartenbau eingeladen.

„Wir Landwirte sind es gewohnt, vom Ende, vom Ergebnis her zu denken und daraus Maßnahmen abzuleiten“, so Detlef Kurreck. „Das ist etwas, das wir bei der Politik vermissen. Wir Landwirte können zur Lösung beitragen. Und wenn wir uns alle auf unsere Kernkompetenzen berufen, dann müssen wir auch vor dieser Krise keine Angst haben.“

Auf dem Podium stellten Dr. Till Backhaus, Minister für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt, Bauernpräsident Detlef Kurreck, Sylva Rahm-Präger aus dem Vorstand des Verein Agrarmarketing MV (AMV) sowie Agrarjournalist Jan Peters ihre Positionen vor. Rund 350 Landwirtinnen und Landwirte sowie Gäste aus Mecklenburg-Vorpommern und Deutschland waren der Einladung zum Bauerntag gefolgt.

„Die Folgen des Krieges treffen uns mit voller Wucht“, umriss Moderatorin und Agrarjournalistin Daphne Huber die aktuelle Krise. „In diesem Ausnahmezustand stehen Friedenssicherung und Ernährungssicherung wieder ganz oben auf der Wunschliste der Menschen.“ Mit den Ausnahmeregelungen zu Stilllegung und Fruchtfolge sei ein Schritt in die richtige Richtung erfolgt. „Die unternehmerische Möglichkeit sollte da sein. Das ist sie nun zumindest in Teilen“, sagte Detlef Kurreck.

„Es muss aber auch ehrlicher darüber gesprochen werden, welche Proteingehalte wirklich benötigt werden. Die derzeitige Bezahlung von Weizen nach Proteingehalt spiegele den Bedarf der Bäcker nicht wider“, fügte Sylva Rahm-Präger hinzu. „Da sollten die Landwirte nicht betrogen werden.“

Detlef Kurreck machte außerdem klar, dass regionale Kreisläufe auch in der Düngerproduktion erhalten und gestärkt werden müssten. „Energie wird knapp. Sie wird die bestimmende Maßeinheit sein – ob es um Strom, Wärme oder den Energiegehalt der Produkte, die auf unseren Feldern wachsen, geht. Hier vor Ort zu produzieren ist in der Gesamtbilanz immer noch die günstigste Variante.“ Daher müssten Zölle wegfallen und Wege geöffnet werden, um die Dünger-Produktion im Land möglichst störungsfrei laufen zu lassen.

Die Landwirte hier müssen mit ihrer Produktion Geld verdienen, verdeutlichte auch Minister Dr. Till Backhaus. „Sonst sind sie pleite und verkaufen. Wir haben in Mecklenburg-Vorpommern einen hervorragenden Ackerbau. Den dürfen wir nicht aufs Spiel setzen.“ Die politischen Grabenkämpfe in Berlin müssten aufhören, Sachlichkeit und Fachlichkeit endlich wieder im Vordergrund stehen.

„Die Land- und Ernährungswirtschaft ist systemrelevant. Deswegen brauchen wir die Energiepreisbremse, sonst ist dieser Zweig nicht mehr wettbewerbsfähig.“

Die globalen Hintergründe beschrieb Jan Peters: Die Preise für Brot und Futtergetreide bewegen sich weltweit auf einem hohen Niveau. „Die Verladungen von Getreide in der Ukraine über Schiff, Bahn und Lkw haben deutlich an Dynamik gewonnen.“ Insbesondere für die Versorgung der nordafrikanischen Länder und des Nahen Ostens sei diese Entwicklung von besonderer Bedeutung. „Viele Länder dort verfügten nur noch über Getreidebestände für wenige Wochen“, macht er die Brisanz der drohenden Hungerkatastrophe deutlich. „Auch wenn die diesjährigen Ernten in Russland und Ukraine hoch ausgefallen sind, bleibt ein Defizit von 18 Millionen Tonnen Weizen, die weniger erzeugt als weltweit verbraucht werden.“ Der Russische Weizen werde trotz der Kriegshandlungen für die Versorgung der Weltmärkte dringend gebraucht, so die Einschätzung des Agrarjournalisten. „Sollten sich die Lieferungen aus der Schwarzmeer-Region verringern, werden Versorgungsdefizite in Nordafrika erhebliche Auswirkungen auf den Frieden in der Region haben.“

Als „scheinheilig“ betitelte Detlef Kurreck die immer wieder neu geführte Diskussion um „Teller, Trog oder Tank.“

„Wir haben Tiere mit dem Wunderwerk eines Pansens, die Gras in nutzbare Energie für den Menschen verwandeln. Diese Möglichkeit künstlich nachzubauen, koste unglaublich viel Energie. „Und die Kuh macht das mit links!“

Vielen Menschen sei jetzt klar geworden, dass die Ernährung keine Selbstverständlichkeit sei. Darauf wiesen auch Plakate mit eindringlichen Slogans im Saal hin. „Ein voller Teller braucht Stall und Feld“ lautete die klare Botschaft. Um Qualitätslebensmittel aus der Region zu sichern, brauche es einer gestärkten Tierhaltung, Düngung nach guter fachlicher Praxis und einem verantwortungsvollen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln.