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21.07.2021

Bauernverband MV zum Papier der Zukunftskommission Landwirtschaft

Bauernverband MV mit Ablehnung und Zustimmung zum Papier der Zukunftskommission
Landwirtschaft – eine erste Bewertung

Die Zukunftskommission Landwirtschaft (ZKL) hat das Ergebnis der Verhandlungen zwischen Landwirtschaftsverbänden, der Ernährungswirtschaft, dem vorgelagerten Bereich, der Agrarwissenschaft sowie den Umwelt- und Tierschutzverbänden vorgestellt. Die Kommission wurde als Reaktion auf die Demonstrationen Ende 2019 auf Betreiben der Bundeskanzlerin ins Leben gerufen und tagte hinter verschlossenen Türen. Auch der BV MV wurde erst mit der Veröffentlichung des Berichtes über den Inhalt informiert.
Die Empfehlungen der ZKL sollen die Grundlage für die Gestaltung der zukünftigen Landwirtschaft sein. Das Zukunftspapier hätte ohne Beteiligung der berufsständischen Vertretung an-ders ausgesehen und ist somit ein Kompromiss. Für die mögliche Umsetzung der Empfehlungen ist ein Zeithorizont von ca. 10 Jahren vorgesehen. Die Kosten für den Umbau der Landwirtschaft werden mit 7-11 Mrd. EUR/Jahr beziffert.
Ziel der Empfehlungen ist es, die augenscheinliche Diskrepanz zwischen Landwirtschaft und gesellschaftlichen Ansprüchen aufzulösen.

Als Konfliktfelder befasste sich die ZKL mit:
•    Agrarpolitik der Zukunft
•    Ökonomische Tragfähigkeit der Landwirtschaft
•    Landwirtschaft und Umwelt
•    Landwirtschaft und Klimaschutz sowie
•    Zukunft der Tierhaltung


Das vollständige Papier kann unter https://www.bauernverband.de/topartikel/uebergabe-abschlussbericht-zukunftskommission-landwirtschaft eingesehen werden.


Der Bauernverband sieht in dem Papier einige positive Ansätze, teilt aber nicht jeden Gedanken, wie z.B. die Notwendigkeit einer Ernährungswende oder einem pauschalen Abbau der Tierbestände. Zudem ist Skepsis angebracht, da zum Gelingen auch ein anderes Agieren auf globaler und auf EU-Ebene notwendig sein wird. Ein Teil der Vorschläge ist nicht dazu geeignet, die Produktivität zu stabilisieren und die Ernährung zu sichern. Unsere Aufgabe wird es weiterhin sein, dafür zu sorgen, dass es nicht zu noch mehr Bürokratie und Auflagen sowie zu Einkommensverlusten der Bauern kommt.


Leitgedanken aus dem 190 Seiten starken Kompromisspapier sind:

  • Notwendigkeit einer ausreichenden Wertschöpfung am Markt, bessere Teilhabe der Landwirtschaft an der Wertschöpfung
  • Vermeidung der Verlagerung der Produktion ins Ausland
  • stärkere Diversifizierung der Betriebe
  • Stabilisierung der Agrarstruktur
  • stärkere Regionalität der Produktion
  • Umbau der EU-Agrarförderung in den kommenden 2 Förderperioden (Vergütung der Gemeinwohlleistung und Abkehr von den flächengebundenen Direktzahlungen)
  • Mehr Beratungsangebote für die Landwirtschaft
  • Schaffung von zusätzlichen Biodiversitätsflächen (u.a. Reduzierung des PSM-Einsatzes)
  • Reduzierung der Tierbestände und des Fleischverzehrs auf Grundlage der Empfehlung der Deutschen Ernährungsgesellschaft
  • Berücksichtigung von mehr Tierwohl
  • Reduzierung des CO2-Ausstoßes und Vernässung von Mooren
  • Honorierung des Humusaufbaues und der CO2-Bindungsleistung der Landwirtschaft
  • Aufbau biodiversitätsfördernder Landnutzungssysteme
  • verbesserte Kennzeichnung der Lebensmittel

Die Empfehlungen des Berichtes werden ihre Praxistauglichkeit noch erweisen müssen. Ob deren Umsetzung realistisch ist, hängt von vielen Faktoren ab, zumal auch Änderungen des Verbraucherverhaltens, des Handels und des Wettbewerbsrechtes notwendig sind. Als Vision ist das Papier geeignet, der Landwirtschaft eine Zukunft zu geben. Wenn jedoch das bisherige Bauernbashing fortgesetzt wird, keine zusätzlichen Gelder fließen und trotzdem mehr Biodiversität, Klima- und Ressourcenschutz oder Tierwohl verlangt werden, war die Kompromissfindung vergebens. Die Umsetzung der Empfehlungen wird für die Landwirtschaft, die Gesellschaft und die Politik eine große Herausforderung.