Bauernverband MV: 35 Jahre starke Stimme für die Landwirtschaft

Ehrenmitglied
Wenn es um die Zukunft der Landwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern geht, kommt am Bauernverband kaum jemand vorbei: Seit 35 Jahren bündelt er die Interessen der Betriebe im Nordosten – und bringt sie mit Nachdruck in Politik und Öffentlichkeit ein. Mit einem festlichen Bauerntag in Linstow haben Landwirtinnen und Landwirte aus dem ganzen Bundesland heute auf diese dreieinhalb Jahrzehnte zurückgeblickt. Zu den Gästen gehörten unter anderem Ministerpräsidentin Manuela Schwesig sowie der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied. Der Bauerntag erinnerte an die bewegten Anfänge des Verbandes. Im Frühjahr 1991, mitten in einer Phase grundlegender Umbrüche für die Landwirtschaft im Osten Deutschlands, beschlossen Landwirte aus Mecklenburg-Vorpommern, ihre Interessen künftig gemeinsam zu vertreten. Am 22. März 1991 trafen sich in Neubrandenburg 159 Delegierte, um über die Zukunft der berufsständischen Organisation zu beraten – nach intensiven Diskussionen fiel schließlich die Entscheidung zur Gründung des Bauernverbandes Mecklenburg-Vorpommern.
„Die Landwirtschaft im Nordosten stand damals vor einem historischen Neuanfang“, sagte Karsten Trunk, Präsident des Bauernverbandes Mecklenburg-Vorpommern, in seiner Festrede. „Viele Betriebe mussten sich komplett neu aufstellen. Der Bauernverband wurde in dieser Zeit zu einer wichtigen Stimme für die Landwirte – und ist es bis heute.“
Heute vertritt der Bauernverband Mecklenburg-Vorpommern rund 1.800 landwirtschaftliche Betriebe im Land. Über 200 Landwirtinnen und Landwirte engagieren sich ehrenamtlich in Ausschüssen und Gremien, unterstützt von der Landesgeschäftsstelle sowie 15 Regionalbauernverbänden.
„Unser Verband lebt vom Engagement der Landwirtinnen und Landwirte“, betonte Trunk. „Er bündelt ihre Erfahrungen aus der Praxis und trägt ihre Anliegen geschlossen in Politik und Öffentlichkeit.“
Leitmotiv der Verbandsarbeit ist seit der Gründung die „Einheit der Vielfalt“. In Mecklenburg-Vorpommern prägen Familienbetriebe ebenso wie Agrargenossenschaften die Landwirtschaft. Der Bauernverband führt diese unterschiedlichen Strukturen zusammen – und verleiht ihnen eine gemeinsame Stimme. Diese gemeinsame Stimme zeigt sich auch in konkreten politischen Ergebnissen.

 Erfolge gemeinsamer Interessenvertretung

Der Bauerntag bot auch Anlass für eine Zwischenbilanz der Verbandsarbeit. Viele der politischen Entscheidungen der vergangenen Monate zeigen, welchen Einfluss eine geschlossene Interessenvertretung haben kann. Besonders deutlich wurde das beim Agrardiesel. Nach intensiven Diskussionen über den Abbau der steuerlichen Entlastung wurde die Rückvergütung wieder eingeführt. Für die Landwirtschaft bedeutet das bundesweit eine jährliche Entlastung von rund 430 Millionen Euro. Auch beim Umgang mit dem Wolf ist Bewegung in ein lang festgefahrenes Thema gekommen. Mit der Aufnahme des Wolfs in das Bundesjagdgesetz gibt es erstmals bundesweit einheitliche Regeln zur Regulierung der Population. Damit erhalten Länder und Regionen mehr Handlungsspielraum, um Nutztiere besser zu schützen. Ähnliche Entwicklungen zeigen sich auf europäischer Ebene. Die ursprünglich geplante verpflichtende Stilllegung von vier Prozent der Ackerflächen wurde wieder aufgehoben. Stattdessen setzt die Agrarpolitik stärker auf freiwillige Umweltleistungen der Betriebe – ein Ansatz, der Naturschutz und landwirtschaftliche Produktion besser miteinander verbinden soll. Parallel dazu rückt auch der Bürokratieabbau stärker in den Fokus. Mit der Abschaffung der Stoffstrombilanzverordnung sinkt der Verwaltungsaufwand für landwirtschaftliche Betriebe bundesweit um rund 18 Millionen Euro jährlich. Dass Verbandsarbeit nicht nur in Gesetzen und Verordnungen sichtbar wird, zeigt sich auch ganz praktisch im Land. Beim Bau der Stromtrasse NordOstLink haben sich Bauernverband und der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz erst kürzlich auf eine Rahmenvereinbarung verständigt. Sie regelt erstmals verbindlich Bauabläufe, Bodenschutz und Entschädigungen für betroffene Bewirtschafter.
„Unser Netzwerk ist unsere Stärke – von den Regionalverbänden über den Landesverband bis nach Berlin und Brüssel“, sagte Bauernpräsident Karsten Trunk. „Wenn Landwirtschaft geschlossen auftritt, kann sie politische Entscheidungen bewegen.“
Auch die Gäste des Bauerntages würdigten die Rolle des Verbandes.
„Der Bauernverband vertritt kraftvoll die Interessen der Landwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern“, sagte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig „Egal ob Familienbetrieb, Genossenschaft, konventionell oder bio: Alle haben im Bauernverband eine starke Stimme und eine gute Interessenvertretung. Der Bauernverband unterstützt landwirtschaftliche Betriebe mit Information, Beratung und Vernetzung. Und er macht die Leistungen der Landwirtschaft im ganzen Land sichtbar. Vielen Dank für 35 Jahre engagierte Arbeit in unserem Land.“
Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes, gratulierte den Mitgliedern des Bauernverbandes Mecklenburg-Vorpommern zu 35 Jahren erfolgreicher Arbeit.
„Sie machen das klasse“, sagte er. Der Bauernverband Mecklenburg-Vorpommern sei ein wichtiges Mitglied in der „deutschen Bauernverbands-Familie, das sich seit mehr als drei Jahrzehnten für die Interessen des Berufsstandes einsetzt. Mecklenburg-Vorpommern steht für eine starke Landwirtschaft – eine der leistungsfähigsten in Deutschland und Europa.  Dazu leiste auch der Landesbauernverband einen wichtigen Beitrag, in dem er sich für politische Rahmenbedingungen einsetzt.

 Landwirtschaft unter Druck: Preise außer Kontrolle

Bereits zum Auftakt des Bauerntages hatte Bauernpräsident Karsten Trunk in seinem Rechenschaftsbericht auf die aktuelle Situation in der Landwirtschaft hingewiesen.
„Die Lage ist ernst: Diesel und Dünger haben Preise erreicht, die wir uns vor wenigen Jahren nicht hätten vorstellen können. Internationale Konflikte treiben die Energiepreise, Lieferketten geraten ins Wanken – und die Folgen spüren wir direkt auf unseren Äckern“, sagte Trunk. Landwirtschaft arbeite mit langen Vorläufen: „Wir Landwirte finanzieren unsere Arbeit oft ein ganzes Jahr im Voraus. Doch wenn Betriebsmittel plötzlich ein Vielfaches kosten, geht diese Rechnung für viele Höfe nicht mehr auf.“ Besonders dramatisch sei die Situation beim Dünger. „Teilweise kostet er heute das Fünffache – und das genau dann, wenn wir ihn zur Frühjahrsbestellung am dringendsten brauchen. Für viele Betriebe steht das Wasser inzwischen spürbar bis zum Hals.“

Ehrenmitgliedschaft für Detlef Kurreck

Im Rahmen des Jubiläumsbauerntages hat der Bauernverband Mecklenburg-Vorpommern Detlef Kurreck zum Ehrenmitglied ernannt und ihm die Ehrennadel des Verbandes verliehen. Damit würdigt der Verband sein jahrzehntelanges Engagement für die Landwirtschaft im Land – als Praktiker, Interessenvertreter und prägende Persönlichkeit des Berufsstandes.
„Detlef Kurreck steht wie kaum ein anderer für eine Generation von Landwirten, die die tiefgreifenden Umbrüche nach der Wende nicht nur erlebt, sondern aktiv mitgestaltet haben“, sagte Vizepräsident Manfred Leberecht in seiner Laudatio.
Der Diplom-Agraringenieur war nach der Wiedervereinigung maßgeblich am Aufbau neuer Agrarstrukturen in Mecklenburg-Vorpommern beteiligt und engagierte sich viele Jahre im Bauernverband – zunächst im Kreisverband Bad Doberan, später als Vizepräsident und Präsident des Landesverbandes. In dieser Zeit vertrat er die Interessen der Landwirtschaft gegenüber Politik, Verwaltung und Gesellschaft – von Mecklenburg-Vorpommern bis auf nationale und europäische Ebene. Neben seinem beruflichen Engagement übernahm Kurreck auch kommunal Verantwortung und war 25 Jahre lang ehrenamtlicher Bürgermeister seiner Gemeinde. In seiner Würdigung hob Leberecht hervor, dass Kurreck über viele Jahre Verantwortung übernommen habe – für seinen Betrieb, seine Region und den gesamten Berufsstand. Er habe Position bezogen, wenn es nötig gewesen sei, und Gespräche geführt, wenn Lösungen gefragt waren. Dabei sei er immer das geblieben, was ihn auszeichne: ein bodenständiger Praktiker, ein Interessenvertreter mit Rückgrat und ein echter Mecklenburger. Viele Jahre habe Kurreck „für unseren Berufsstand gepflügt, gesät und gestritten“, sagte Leberecht. „Und vieles von dem, was heute wächst, trägt deine Handschrift. Für diesen jahrzehntelangen Einsatz sagen wir dir heute von Herzen: Danke.“
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Ralf Benecke stellv. Hauptgeschäftsführer
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