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Komfort fürs Vieh und leichtere Arbeit
Einen neuen Stall für 540 Kühe hat die Raminer Agrar GmbH & Co. KG bauen lassen. Nun ist das Milchvieh an einem Standort konzentriert. Die Investition trägt zu höherer Effektivität des Betriebszweiges bei.
Trotz niedriger Milchpreise kann Harald Nitschke, Geschäftsführer und einer von vier Gesellschaftern der Raminer Agrar GmbH & Co. KG im Kreis Uecker-Randow (Mecklenburg-Vorpommern), ruhig in die Zukunft schauen. Der neue Kuhstall und das Melkhaus haben ihre Bewährungsprobe bestanden. Sowohl im vorjährigen heißen Sommer als auch im diesjährigen eiskalten Winter hat sich das Milchvieh in der neuen Behausung sichtbar wohlgefühlt. Und auch die Arbeitsbedingungen für das Personal haben sich wesentlich verbessert.
Verlässliche Partner zur Seite
Im Herbst 2008 hielten 540 Kühe, die zuvor in alten Gebäuden an zwei Standorten untergebracht waren, Einzug in die neue Unterkunft. „Wir wollten einen Stall mit viel Licht, Luft und Komfort für die Kühe sowie leichtere Arbeit für die Melker“, sagt Nitschke. „Mit der Baukonzept Neubrandenburg GmbH fanden wir den richtigen Partner. In den Händen des Architektenbüros lagen die Projektierung, die Ausschreibung der Gewerke und die Baubetreuung. Dadurch konnten wir uns auch während der Bauphase auf das Milchvieh konzentrieren.“ Der Stall, der in Stahlleichtbauweise errichtet wurde, ist 136 m lang und knapp 36 m breit. Die Traufhöhe beträgt 4,5 m und die Firsthöhe 12 m. Das Dach ist mit hellen Zementfaserwellplatten eingedeckt, die die Sonneneinstrahlung gut reflektieren, sodass es darunter im Sommer nicht zu heiß wird. Lichtdurchlässige Platten in der Dachhaut lassen den Stall recht hell erscheinen. Die Seitenwände sind bis zum Sockel offen. Sie können je nach Lufttemperatur und Windgeschwindigkeit mit zweigeteilten Folienjalousien automatisch geschlossen werden. Abluft entweicht über den offenen First. Für gute Luftbewegung im Sommer sorgen noch vier unter dem Dach frei hängende große Ventilatoren. „Als richtig erwiesen hat sich auch, dem Anraten von Baukonzept zu folgen und den Stall etwas erhöht und quer zur Hauptwindrichtung aufzustellen, auch wenn dafür größere Erdmassen bewegt werden mussten“, meint Nitschke. Die beiden Giebel sind mit Trapezblech verkleidet. Während die vier Laufgänge durch Schiebetore begrenzt sind, erfolgt die Einfahrt zum Futtertisch über sich automatisch öffnende Sektionaltore. An den Übergängen zwischen den Liegeboxenreihen sind große kippbare Trogtränken installiert, die leicht zu reinigen sind. In der Mitte des Stalles befindet sich ein 5,5 m breiter Futtergang, der zum Fressgang hin mit Epoxidharz beschichtetet ist, damit sich die Kühe bei der Futteraufnahme nicht die Zunge am rauen Beton lädieren. Die Fress- und Laufgänge sind planbefestigt und mit Gussasphalt beschichtet. Kombischieber sorgen dafür, dass sie regelmäßig von Kot und Harn befreit werden und die Kühe trockene Füße behalten. Auf jeder Stallseite befinden sich eine Doppel- und eine Wandliegeboxenreihe, die nur durch freitragende Bügel voneinander getrennt sind und den Kühen großen Bewegungsraum lassen. „Wir haben uns für Tiefliegeboxen entschieden, weil die Tiere darin bequemer liegen und weniger Probleme an den Gliedmaßen auftreten“, erzählt Nitschke. Als Einstreumaterial dienen vor allem Güllefeststoffe. Sie werden im Futterwagen mit Strohhäcksel und Kalk gemischt und wöchentlich in die Boxen ausgebracht. Wenn die Kühe zum Melken gehen, werden die Liegeflächen gereinigt. Der zentrale Güllekanal, der den Stall in zwei Hälften trennt, befindet sich in der Gebäudemitte. Er ist mit Spaltenboden ausgelegt und dient gleichzeitig als Treibegang zum Melkhaus. Die Gülle gelangt zu einer nahegelegenen Biogasanlage, wo Strom erzeugt wird. Die Abwärme dient zum Heizen und zur Warmwassererzeugung für die Milchviehanlage.
Herzstück ist das Melkhaus
Im Melkhaus betreten die Kühe zunächst den Vorwartehof, der asphaltiert und leicht ansteigend ist. Er bietet etwa 140 Tieren Platz – so groß ist maximal eine Gruppe. Eine automatische Treibevorrichtung bugsiert die Kühe zum Side-by-Side-Melkstand, der auf jeder Seite 20 Plätze hat. Die Standflächen sind mit weichen Gummimatten ausgelegt, und ein Schnellaustrieb sorgt für einen zügigen Tierwechsel. Dort lassen sich etwa je Stunde die Kühe eines Stallabteils melken. Auf der Rückdrift passieren die Tiere auf jeder Seite ein Selektionstor. Hier können sie zur Behandlung oder Besamung ausgesondert werden oder zurück in den Stall marschieren. Auch im Vorwartehof sorgen Ventilatoren und Jalousien an den Seitenwänden, die sich öffnen und schließen lassen, für angenehme Luft. Am Melkhaus wurde nicht gespart. Besucher, die es vom glasverkleideten Giebel aus betreten, gewinnen einen freundlichen Eindruck. Der ebenerdige Melkflur ist unterkellert und verfügt über einen Hubboden aus Kunststoff, der entsprechend der Größe der Melker gehoben oder gesenkt werden kann, was der Arbeitsergonomie entgegenkommt. Der Melkstand verfügt über eine automatische Melkzeugabnahme und Milchmengenmessung. Das Tiererkennungssystem ist mit Aktivitätssensoren ausgestattet, sodass sich brünstige oder kranke Tiere eher finden lassen. Im begehbaren Keller ist ein Teil der empfindlichen Melktechnik untergebracht und damit vor Schmutz und Staub geschützt. Melkzeuge und Milchleitungen werden automatisch gereinigt. Das Wasser wird aufgefangen und noch zur Oberflächenreinigung verwendet. Auf der einen Seite des Melkhauses befinden sich die Sozialräume und auf der anderen zwei Milchtanks mit einem Fassungsvermögen von 10 000 l und 20 000 l sowie weitere technische Einrichtungen. „Unsere neue Milchviehanlage war zwar mit 2,4 Mio. s nicht gerade billig, doch sie trägt wesentlich dazu bei, dass wir die Milch jetzt effektiver erzeugen. Durch die Konzentration des Milchviehs auf einen Standort sparen wir erheblich an Transport- und Energiekosten. Und weil sich die Gesundheit der Kühe verbessert hat, fallen auch die Tierarztkosten deutlich niedriger aus. Außerdem kommen wir beim Milchvieh statt mit 14 nun mit neun Arbeitskräften zurecht. Wir haben auch so gebaut, dass wir die Anlage jederzeit erweitern können“, ist das Resümee von Nitschke. Die Raminer Agrar GmbH & Co. KG ist also für die Zukunft gerüstet.
Autor/Quelle: FRITZ FLEEGE/Bauernzeitung Heft 9
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